Kapselendoskopie - Dünndarmspiegelung mit der Videokapsel

Die Kapselendoskopie ist eine schonende Untersuchung des Verdauungstrakts ohne Schlauch und ohne Narkose. Sie schlucken dabei eine kleine Kapsel – etwa so gross wie eine grosse Tablette – in der eine winzige Kamera eingebaut ist.

Die Kapsel wandert mit der natürlichen Darmbewegung durch Speiseröhre, Magen, Dünndarm und Dickdarm. Dabei nimmt sie laufend Bilder der Schleimhaut auf und sendet sie drahtlos an ein kleines Aufnahmegerät, das Sie während der Untersuchung am Körper tragen.

So entstehen in rund 8 bis 12 Stunden mehrere zehntausend Bilder, aus denen der Computer ein zusammenhängendes Video erstellt. Dieses Video wertet anschliessend die Fachärztin oder der Facharzt in Ruhe aus.

Die Kapsel wird auf natürlichem Weg wieder ausgeschieden und muss nicht zurückgebracht werden. Wichtig zu wissen: Die Kapselendoskopie ist eine rein diagnostische Untersuchung. Es können damit weder Gewebeproben entnommen noch Polypen entfernt werden.

Die Kapselendoskopie wird vor allem für den Dünndarm eingesetzt. Dieser Abschnitt ist mehrere Meter lang und lässt sich mit einer Magenspiegelung oder Darmspiegelung nicht vollständig erreichen.

Typische Gründe für die Untersuchung sind:

  • Blutungen im Verdauungstrakt oder eine unklare Blutarmut, bei denen Magen- und Darmspiegelung keine Ursache gezeigt haben
  • Verdacht auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder zur Beurteilung des Krankheitsverlaufs
  • Verdacht auf Polypen oder Tumore im Dünndarm
  • anhaltende Beschwerden ohne erklärenden Befund in den üblichen Untersuchungen

Seltener wird die Kapsel auch für den Dickdarm verwendet – etwa dann, wenn eine herkömmliche Darmspiegelung nicht vollständig durchgeführt werden konnte oder aus medizinischen Gründen nicht möglich ist.

In einigen Situationen ist die Untersuchung nicht oder nur nach zusätzlicher Abklärung möglich:

  • bei bekannten oder vermuteten Engstellen (Stenosen) im Magen-Darm-Trakt, da die Kapsel dort stecken bleiben könnte
  • bei Schluckstörungen
  • während einer Schwangerschaft
  • bei geplanten MRT-Untersuchungen – diese dürfen erst stattfinden, wenn die Kapsel sicher ausgeschieden ist

Sprechen Sie uns im Vorgespräch offen auf frühere Bauchoperationen, bekannte Verengungen, Herzschrittmacher oder andere implantierte Geräte an. Wir klären dann gemeinsam, ob die Untersuchung für Sie geeignet ist.

Damit die Kamera freie Sicht auf die Schleimhaut hat, muss der Darm gut gereinigt und leer sein:

  • Am Vortag nehmen Sie ein Abführmittel ein. Sie erhalten von uns eine genaue schriftliche Anleitung.
  • Am Untersuchungstag erscheinen Sie nüchtern – also ohne Essen und ohne Rauchen.
  • Ihre Medikamente besprechen wir vorher mit Ihnen. Eisenpräparate sollten einige Tage vorher abgesetzt werden.

Probekapsel (Patency-Kapsel)

Besteht der Verdacht auf eine Engstelle im Darm, kann vor der eigentlichen Untersuchung ein Probekapselversuch nötig sein. Dabei schlucken Sie zuerst eine Testkapsel mit denselben Massen, die aber keine Kamera enthält.

Passiert diese Kapsel den Darm ungehindert und wird sie unverändert ausgeschieden, ist der Weg frei und die richtige Kapselendoskopie kann durchgeführt werden. Bleibt sie an einer Engstelle liegen, löst sie sich nach rund 30 Stunden von selbst auf und zerfällt in kleine Teile, die problemlos ausgeschieden werden. So lässt sich das Risiko im Voraus sicher abschätzen.

Der Ablauf ist unkompliziert und dauert für Sie in der Praxis nur kurz:

  1. Sie erhalten das Aufnahmegerät, das Sie in einem Gurt oder einer Tasche am Körper tragen.
  2. Sie schlucken die Kapsel mit etwas Wasser – wie eine normale Tablette. Eine Betäubung ist nicht nötig.
  3. Danach können Sie die Praxis verlassen und Ihrem gewohnten Tagesablauf nachgehen. Anstrengenden Sport sollten Sie an diesem Tag vermeiden.
  4. Nach etwa zwei Stunden dürfen Sie wieder trinken, nach rund vier Stunden eine leichte Mahlzeit essen. Die genauen Zeiten geben wir Ihnen mit.
  5. Am nächsten Tag bringen Sie das Aufnahmegerät in die Praxis zurück.
  6. Die Kapsel wird innerhalb der nächsten Tage auf natürlichem Weg ausgeschieden. Sie ist ein Einwegprodukt und muss nicht aufbewahrt werden.

Die Auswertung des Videos nimmt einige Zeit in Anspruch. Das Ergebnis besprechen wir anschliessend persönlich mit Ihnen.

Vorteile

  • einfache, sichere und nicht-invasive Untersuchung
  • keine Sedierung oder Narkose erforderlich
  • keine Strahlenbelastung und kein Kontrastmittel
  • der gesamte Dünndarm kann beurteilt werden
  • Sie sind im Alltag kaum eingeschränkt und können den Tag normal verbringen

Risiken

Die Kapselendoskopie gilt als sehr sicher. In seltenen Fällen kann die Kapsel an einer Engstelle im Darm hängen bleiben. Meist verursacht dies keine Beschwerden, gelegentlich muss die Kapsel jedoch endoskopisch oder operativ entfernt werden. Genau um dieses Risiko zu vermeiden, klären wir mögliche Engstellen im Vorfeld ab – bei Bedarf mit einer Probekapsel.

Bitte melden Sie sich bei uns, wenn Sie nach der Untersuchung Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen bekommen oder wenn Sie nach zwei Wochen keine Ausscheidung der Kapsel bemerkt haben.

Die Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist an bestimmte medizinische Voraussetzungen geknüpft und nicht in jedem Fall automatisch gegeben.

Wir klären die Kostengutsprache deshalb vor der Untersuchung gemeinsam mit Ihnen und Ihrer Krankenkasse ab, damit für Sie keine unerwarteten Kosten entstehen.

Haben Sie Fragen zur Kapselendoskopie? Rufen Sie uns an unter 032 653 44 44 oder schreiben Sie uns an magendarmcenterbiel@hin.ch.