Sprechstunde für Morbus Crohn & Colitis ulcerosa (CED)

Ziel: Entzündung kontrollieren, Komplikationen vermeiden, Lebensqualität sichern.

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED).

  • Morbus Crohn: Transmurale Entzündung, kann den gesamten Verdauungstrakt betreffen (häufig Ileum und Kolon). Typisch: Durchfälle, Bauchschmerzen, Fisteln, Abszesse, Engstellen (Strikturen).
  • Colitis ulcerosa: Entzündung der Dickdarmschleimhaut (Mukosa), beginnt im Rektum und breitet sich kontinuierlich nach oben aus. Typisch: blutige Durchfälle, krampfartige Schmerzen, Stuhldrang.

Extraintestinale Manifestationen (z. B. Gelenkentzündungen, Haut- oder Augenbeteiligung) können bei beiden Erkrankungen auftreten.

  • Crohn: Chronische Diarrhoe, Bauchschmerzen, Gewichtsverlust, Fieber, Müdigkeit; perianale Fisteln/Abszesse bei ca. 25–33 %.
  • Colitis ulcerosa: Blutige, teils schleimige Durchfälle, Tenesmen, krampfartige Schmerzen; in schweren Schüben >10 Stühle/Tag möglich.
  • Warnzeichen: anhaltender Durchfall, Blut im Stuhl, starke Bauchschmerzen, Fieber, rascher Gewichtsverlust.
  1. Anamnese & Untersuchung inkl. extraintestinaler Zeichen.
  2. Labor & Stuhltests (Entzündungswerte, Calprotectin; Ausschluss von Infektionen).
  3. Endoskopie
    • Koloskopie mit Biopsien (bei Crohn nach Möglichkeit Einblick ins terminale Ileum; bei Colitis zur Ausdehnungs- und Aktivitätsbeurteilung).
    • ÖGD bei Verdacht auf oberen GI-Befall (Crohn).
  4. Bildgebung
    • MR-/CT-Enterographie bei Crohn zur Abklärung von Stenosen, Fisteln, Abszessen.
  5. Verlaufsscores
    • Crohn: CDAI bzw. Harvey-Bradshaw-Index.
    • Colitis: klinische/ endoskopische Aktivitätsscores.
  • Crohn – Montreal:
    • Alter: A1 <16 / A2 17–40 / A3 >40
    • Lokalisation: L1 Ileum / L2 Kolon / L3 Ileokolisch / L4 oberer GI
    • Verhalten: B1 nicht strikturierend/penetrierend, B2 strikturierend, B3 penetrierend, p perianal
  • Colitis ulcerosa – Ausdehnung: Proktitis / Linksseitencolitis / Pankolitis.
  • Crohn: Strikturen (Ileus), Fisteln/Abszesse (perianal, entero-enteral, entero-vesikal), Mangelernährung (v. a. Vit. B12, D), erhöhtes Karzinomrisiko bei Kolonbefall.
  • Colitis ulcerosa: schwere Schübe, toxische Kolitis, erhöhtes Kolonkarzinomrisiko bei langjährigem, ausgedehntem Befall.

Wir kombinieren Medikamente, Ernährung, Lebensstil und – falls nötig – Chirurgie. Entscheidungen basieren auf Aktivität, Ausdehnung, Verhalten (Crohn), Komorbiditäten und Ihren Präferenzen.

Medikamentöse Optionen (krankheitsspezifisch und stadiengerecht):

  • 5-Aminosalicylate (5-ASA)
    • v. a. bei Colitis (oral/rekal)
  • Kortikosteroide
    • Prednison/Budesonid zur Schubtherapie
    • Nicht zur Dauertherapie
  • Immunmodulatoren
    • Azathioprin, 6-MP, Methotrexat
    • Zur Remissionserhaltung
  • Biologika
    • Anti-TNF: Infliximab, Adalimumab, Certolizumab, Golimumab
    • Anti-Integrin: Vedolizumab
    • Anti-IL-12/23 bzw. Anti-IL-23: Ustekinumab, Guselkumab, Risankizumab, Mirikizumab
  • Small Molecules
    • JAK-Inhibitoren:
      • Tofacitinib (CU)
      • Upadacitinib (CU/Crohn)
      • Filgotinib (Crohn)
    • S1P-Modulator: Ozanimod (CU)
  • Antibiotika
    • z. B. bei perianalen Fisteln/Abszessen
  • Symptomatisch
    • Loperamid (nicht bei schwerem akuten Schub)
    • Spasmolytika
    • Ballaststoffanpassung
  • Crohn: bei Ileus durch Striktur, therapieresistenten Fisteln/Abszessen oder refraktärer Erkrankung; hohe Rezidivneigung – interdisziplinäre Planung, frühe Rezidivprophylaxe.
  • Colitis ulcerosa: Proktokolektomie kurativ bei therapierefraktärer CU, Dysplasie/Karzinom oder fulminantem Verlauf.

Monitoring & Sicherheit

  • Therapeutisches Drug Monitoring (Spiegel/Antikörper).
  • Impfstatus, Osteoporose-Prophylaxe, Haut-/Infekt-Screening unter Immuntherapie.
  • Krebsvorsorge: koloskopisches Surveillance-Programm bei langjährigem Kolonbefall.
  • Schwerer CU-Schub: stationär, i. v. Kortikosteroide/ Biologika, Flüssigkeit/Elektrolyte; enge Überwachung bzgl. toxischer Kolitis.
  • Crohn mit Abszess: Drainage (perkutane/operative), Antiinfektiva; Biologika erst nach Infektkontrolle.
  • Rauchstopp (wichtig bei Crohn).
  • Ernährung: bedarfsorientiert (Mangel ausgleichen, Strikturen beachten, bei CU akute Schübe eher faserarm); professionelle Ernährungsberatung.
  • Bewegung & Stressmanagement (Schlaf, Entspannung).
  • Regelmässige Kontrollen: Blutwerte, Nährstoffe (Vit. D, B12), Knochendichte, Impfungen.
  • Familienplanung: Beratung zu sicherer Medikation in Schwangerschaft/Stillzeit möglich.
  • Strukturierte Erst- und Verlaufsabklärung inkl. Endoskopie (mit modernem Sedationskonzept).
  • Interdisziplinäres Management: Radiologie, Chirurgie, Dermatologie, Rheumatologie, Gynäkologie bei Bedarf.
  • Biologika- und Small-Molecule-Therapie mit therapeutischem Drug Monitoring (TDM).
  • Perianal-Expertise (Fistel-Management gemeinsam mit Chirurgie).
  • Ernährungsmedizin & Mangeldiagnostik (Vitamine, Spurenelemente).
  • Surveillance-Programme zur Krebsfrüherkennung bei Langzeit-Kolonbefall.
  • Patientenschulung: Erkennen von Schubzeichen, Notfallplan.
  • Anhaltender/ blutiger Durchfall, starke Bauchschmerzen, Fieber.
  • Neu aufgetretene perianale Beschwerden (Schmerzen, Sekretion).
  • Gewichtsverlust, ausgeprägte Müdigkeit, Mangelverdacht.
  • Therapieversagen oder Nebenwirkungen.

Kontakt

Gastroenterologie Praxis Dr. med. I. Kapoglou
Jakob-Stämpfli-Strasse 120, 2502 Biel

032 653 44 44

Hinweis: Diese Seite ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung. Gerne besprechen wir Ihre Situation in unserer CED-Sprechstunde und erstellen einen individuellen Behandlungsplan.