Endosonographie (Endoskopischer Ultraschall - EUS)

Die Endosonographie, auch endoskopischer Ultraschall (EUS) genannt, ist ein modernes und sehr genaues Diagnoseverfahren, das hochauflösende Ultraschallbilder von Organen des Bauchraums und des Magen-Darm-Trakts liefert.
Dabei wird ein spezielles Endoskop mit integriertem Ultraschallkopf eingesetzt. So können Strukturen sichtbar gemacht werden, die mit einer herkömmlichen Ultraschalluntersuchung oder anderen Bildgebungen nicht immer klar erkennbar sind.

Wir führen sowohl die obere (über den Mund) als auch die untere Endosonographie (über den After) durch – je nach Fragestellung und betroffener Region.

Die Endosonographie wird zur genauen Abklärung verschiedenster Erkrankungen und Befunde eingesetzt, unter anderem bei:

  • Tumoren oder Zysten im Magen, in der Speiseröhre, im Zwölffingerdarm oder in der Bauchspeicheldrüse
  • unbekannten Raumforderungen oder Verengungen des Magen-Darm-Trakts
  • chronischen Entzündungen (z. B. Pankreatitis)
  • Veränderungen an Lymphknoten oder Gefässen im Bauchraum
  • Veränderungen im Enddarm wie Fisteln, Abszessen oder Tumoren (rektale Endosonographie)

Durch die Nähe des Ultraschallkopfs zum Organ entstehen detaillierte Bilder, ohne störende Einflüsse durch Luft oder Fettgewebe – das ermöglicht eine besonders präzise Beurteilung.

Die Endosonographie wird ähnlich wie eine Magenspiegelung oder Rektoskopie durchgeführt. Das Endoskop wird vorsichtig eingeführt – je nach Untersuchung über den Mund oder After. Die Untersuchung erfolgt in der Regel unter einer leichten Sedierung (Propofol), sodass sie schmerzfrei und für den Patienten angenehm verläuft.

Während der Untersuchung können bei Bedarf Gewebeproben (Biopsien) entnommen werden, ohne dass ein zusätzlicher Eingriff nötig ist.

Die Vorbereitung richtet sich nach der Art der Untersuchung:

  • Obere Endosonographie: analog zur Magenspiegelung – bitte 6 Stunden vorher nichts essen, klare Flüssigkeit bis 4 Stunden vor der Untersuchung erlaubt.
  • Untere Endosonographie: je nach Fragestellung erfolgt die Vorbereitung ähnlich einer Rektoskopie, meist mit einem Einlauf.

Die Endosonographie ist ein sicheres und schonendes Verfahren.
Wie bei anderen endoskopischen Untersuchungen können in seltenen Fällen leichte Nebenwirkungen auftreten, etwa:

  • kurzfristige Halsbeschwerden oder Völlegefühl,
  • Reaktionen auf das Beruhigungsmittel,
  • in sehr seltenen Fällen Verletzungen von Hohlorganen.

Ernsthafte Komplikationen sind äusserst selten und treten nur in Ausnahmefällen auf.

EUS-FNB – Endosonographisch gesteuerte Feinnadelbiopsie

Die endosonographisch gesteuerte Feinnadelbiopsie (EUS-FNB) ist eine präzise Methode, um Gewebeproben aus inneren Organen zu gewinnen.

Dabei wird während der Endosonographie eine dünne Nadel unter Ultraschallkontrolle gezielt in auffällige Bereiche wie Tumoren, Zysten oder Lymphknoten geführt, um Proben zu entnehmen.

  1. Endosonographie: Das Endoskop mit integriertem Ultraschallkopf wird eingeführt, um das Zielgebiet genau darzustellen.
  2. Gezielte Punktion: Unter Ultraschallkontrolle wird eine feine Nadel über den Arbeitskanal des Endoskops in das verdächtige Gewebe vorgeschoben.
  3. Probenentnahme: Das Gewebe wird abgesaugt oder punktiert und anschliessend im Labor untersucht.

Diese Methode ermöglicht eine zielgenaue Diagnose, ohne dass eine Operation notwendig ist.

  • Höchste Präzision durch direkte Ultraschallführung
  • Minimal-invasiv – keine chirurgischen Schnitte nötig
  • Keine Strahlenbelastung
  • Schnelle Diagnosestellung und zielgerichtete Therapieplanung

EUS-LB – Endosonographisch gesteuerte Leberbiopsie

Die EUS-LB (Endosonographisch gesteuerte Leberbiopsie) ist ein modernes, schonendes Verfahren zur Gewinnung von Lebergewebe unter Ultraschallkontrolle.

Sie wird durchgeführt, um die Ursache und den Schweregrad von Lebererkrankungen genauer zu bestimmen – etwa bei unklar erhöhten Leberwerten oder Verdacht auf Fettleber, Fibrose oder Hepatitis.

Während einer Endosonographie wird die Leber per Ultraschall dargestellt.
Anschliessend wird eine feine Nadel präzise in das gewünschte Lebersegment geführt, um eine kleine Gewebeprobe zu entnehmen.
Diese Probe wird im Labor ausgewertet, um Art und Ausmass der Leberveränderung zu bestimmen.

  • Sehr präzise Beurteilung der Leberstruktur
  • Schonendes, minimal-invasives Verfahren ohne äussere Einstichstelle
  • Kombination mit anderen Untersuchungen (z. B. EUS-FNB oder Magenspiegelung) möglich
  • Geringes Komplikationsrisiko im Vergleich zu herkömmlichen Leberbiopsien

Fazit

Die Endosonographie ist ein zentrales diagnostisches Verfahren in der modernen Gastroenterologie.
Sie ermöglicht eine frühe und exakte Diagnose zahlreicher Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, der Bauchspeicheldrüse und der Leber.

Sowohl die EUS-FNB als auch die EUS-LB erweitern die Möglichkeiten der Endosonographie entscheidend – sie erlauben gezielte Gewebeentnahmen mit höchster Genauigkeit und geringster Belastung für die Patientinnen und Patienten.